logoLösung des Problems der Identifizierung des Objektes
und seiner genauen Positionierung auf dem Spalt des Spaltspektrographen



Der aus reflektierenden polierten Edelstahlbacken gebildete Spalt des Spektrographen hat eine Breite von ca. 40 um (sinnvoller Einstellungsbereich 20 bis 100 um),  der Arbeitsbereich ist ca. 2 mm lang. Das bedeutet, dass es schwierig ist, bei einer Brennweite von fast 4 m (C14) den richtigen Objektstern auf den Spalt zu bekommen.
Man mache sich die Situation klar: Man hat einen rund 4 m langen Zeiger in der Hand und soll am Ende dieses Zeigers ein Sternscheibchen von etwa 60 bis 100 um Durchmesser (je nach Seeing) auf einem 40 um breiten und 2 mm langen Spalt so halten, dass das Zentrum des Sternscheibchens auf die Mitte des Spalts zu liegen kommt und nicht mehr als 5 bis kurzzeitig max. 20 um davon abweicht !!! Das ist die Aufgabe, die vom autoguider, der gesamten Apparatur und  nicht zuletzt vom Beobachter zu erfüllen ist !!!

Das erste praktische Problem ist bereits, überhaupt  den im Sucher identifizierten Objektstern (unter vielen anderen und nur diesen) auf den Spalt zu bekommen. Wenn ein Sternbild im Bild der guider-Kamera (hier ST-4) auf dem Spalt zu erkennen ist, woher weiß man, dass es der richtige ist? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, insbesondere bei lichtschwachen Sternen fünfter Größenklasse und mehr. Offensichtlich müssen die optischen Achsen des Suchers, des Teleskops und des Spektrographen exakt parallel ausgerichtet sein.

Nach vielen Fehlversuchen und Lernprozessen hat sich folgende Apparatur als praktikabel herauskristallisiert:
Zwischen dem Spektrographen und dem C14 ist ein flip mirror (Klappspiegel, MEADE #647) installiert. Im seitlich in 90° auslenkbaren Strahlengang befindet sich im Brennpunkt ein beleuchtetes Fadenkreuzokular. Dieser Brennpunkt des C14 entspricht dem Brennpunkt auf dem Spalt. Ist im Okular der Stern identifiziert (man sieht ein bestimmtes Gesichtsfeld) und  zentriert, dann befindet sich nach dem Umklappen des Klappspiegels das Sternbild auf dem reflektierenden Bereich des Spalts, der durch die autoguiderKamera (ST-4) auf dem Bildschirm des Sternwarten-PC dargestellt wird. Es muß dann mit der Handsteuerung etwas diffizile Feinarbeit gemacht werden, damit der vorher im Fadenkreuzokular identifizierte Stern mittig auf dem Spalt zu liegen kommt. Dann wird der Autoguidermodus eingeschaltet und die ST-4 in Verbindung mit der FS-2 halten den Stern (hoffentlich) am Punkt fest. Diese Technik hat sich bewährt und ist mir zur Routine geworden.

Das abgebildete 1,25" Fadenkreuzokular habe ich mittlerweile gegen ein beleuchtetes 32 mm 2" Fadenkreuzokular ausgetauscht.

Das Bild unten zeigt lam Cep, ein 5 mag O-Stern, auf dem Spalt, aufgenommen im autoguider-Modus der ST-4. Die Spaltbreite beträgt 38 um. Deutlich ist zu erkennen, dass das Seeingscheibchen des Sterns mindestens die dreifache Breite wie der Spalt hat. Entsprechend viel Licht geht für die Spektrokopie verloren (nur der Streifen des Lichts, der durch den Spalt fällt, wird im Spektrographen "verwertet",  das auf den Spaltbacken reflektierte Licht dient dem autoguiding). Über das Dilemma der Kompromißfindung zwischen erwünschter spektraler Auflösung des Spektrographen (Spaltbreite) und der Brennweite und Öffnung des Teleskops siehe die entsprechenden Einsteiger-Seiten.
lamCep


Alle diese Probleme mit der Spaltnachführung werden bei spaltlosen Spektrographen vermieden.

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